• Neujeahrsmatinée 2026 der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bonn und Rhein-Sieg mit Heinrich Heine
• Ausstellungseröffnung Rose Valland
• Bericht über ein Arbeitsfrühstück der Bonner Europa-Akteure
• 100 mal „Franko-Viel“
Jubiläumsveranstaltung mit DFG-Beteiligung am 25.2.2026 im Gustav-Streseman-Institut
Damals, mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2022, entstand die Idee, in einem Podcast über Missverständnisse im Verhältnis beider Länder zu reden, nicht nur in unseren lokalen Vereinen und Stammtischen, sondern in einem prinzipiell unbegrenzten Rahmen. So begannen im Dezember 2021 Andreas Noll, Redakteur beim Deutschlandfunk, und Landry Charrier, einst Direktor unseres Institut Francais in Bonn und jetzt Redeaktionsleiter des Online-Magazins „dokdoc.eu“, damit, anhand aktueller Ereignisse die Hintergründe zu diskutieren, in deren Rahmen die Akteure in Deutschland und Frankreich jeweils dazu kommen zu tun, was sie tun. Denn, das wissen die Engagierten in den Deutsch-Französischen Gesellschaften, in unserem Verhältnis zueinander stoßen wir immer wieder auf Unverständnis, Missverständnisse, weil wir nicht immer verstehen, wie der andere „tickt.“
So entstand der Podcast „FrankoViel“. Den Namen hatte sich Andreas Noll schon 2002 schützen lassen. Aus den ca. 150 Abrufen pro Monat zu Beginn, sind heute mindestens 800 Hörer pro Folge geworden, bei besonders erfolgreichen Themen auch bis fast 2000. Die erfolgreichsten Folgen waren mit Ulrich Wickert, der deutsch-französische Missverstädnisse und historische Momente erklärte, mit Isabelle Bourgeois über Klischees und mit Jacob Ross über den Senegal und Frankreichs Afrikapolitik – wer hätte das gedacht?
Jetzt, zur 100. Folge des Podcasts „FrankoViel“, hatten die „Macher“ zu einem „LivePodcast“ in das Gustav-Stresemann-Institut in Bonn eingeladen, bei dem drei Experten über die „Melodie einer schwierigen Partnerschaft“ diskutierten, das Konzept eines „Françallemagne“ (also einer Union Frankreichs und Deutschlands) als Option für Europa. Die Veranstaltung, zu der auch einige Mitglieder unserer DFG erschienen waren, war gut besucht. Es wird nicht überraschen, dass nicht vorrangig über die Einzelheiten einer solchen Union diskutiert wurde, die niemandem realistisch erscheint, sondern darüber, vor welchen Herausforderungen beide Länder zur Zeit stehen, und wie, bzw. ob sie diese gemeinsam bewältigen können. Es besprachen (von links nach rechts) Andreas Noll, Dr. Jacob Ross, Leiter des Frankreich-Programms der DGAP in Berlin. Dr. Claire Demesmay, seit vergangenem Herbst Leiterin des Institut Français in Bonn und Jan Techau, Europa-Direktor der (USamerikanischen) Eurasia Group, ebenfalls aus Berlin, die vielen verpassten Gelegenheiten, die Neuanfänge und darauf folgenden Enttäuschungen (Macron-Merkel und Sorbonne, MacronScholz und Ukraine/Biden, Macron-Merz und Finanzen/FCAS, Macron ohne Mehrheit), die Lehren, die hätten gezogen werden können und müssen, die aber nicht gezogen wurden. Dabei spielte natürlich auch die trotz ähnlicher Ausdrucksweise immer wieder recht unterschiedliche Bewertung der Rolle der USA und Donald Trumps in und für Europa eine große Rolle.
Das Podium bot eine eindrucksvolle Lehrstunde in der Interpretation politischen Handelns in unserer ganz besonderen deutsch-französischen Konstellation, die zugleich – interessengeleitet – praktische, wie emotionale Elemente aufweist. Dem wurden die jetzt 100 Folgen des Podcast dadurch gerecht, dass sie immer politische, strategische, gesellschaftliche Ereignisse, die das ein oder andere Land oder beide Länder betreffen, in einen kulturellen Kontext stellten, der Mentalitäten und Sensibilitäten bedenkt. Es lohnt sich gewiss, einmal hineinzuhören:
https://franko-viel.podigee.io/104-jubilaeumsfolge-francallemagne.

DP
• NEUJAHRSMATINEE 2026 DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN GESELLSCHAFT BONN UND RHEIN-SIEG MIT HEINRICH HEINE
Etwas später als üblich haben wir auch in diesem Jahr wieder unsere Neujahrsmatinee im historischen Gemeindesaal der Erlöserkirchengemeinde in Bad Godesberg feiern können. Am Sonntag, den 8. Februar, fanden 82 Personen, darunter auch etliche neue Mitglieder unserer DFG, den Weg zu dem schon gewohnten Ort, um sich diesmal von einer künstlerischen Darbietung der Arbeiten des Dichters Heinrich Heine inspirieren zu lassen [Bild 1]. Lebhaft trug der Bonner Schauspieler Johannes Prill Gedichte und Prosa-Texte des deutschen Dichters, Schriftstellers, Journalisten Heinrich Heine vor, der etwa die Hälfte seines Lebens in Paris verbracht hat [Bild 2]. Der als Jude 1797 in Düsseldorf geborene Harry Heine, hatte sich nach dem Abschluss seiner Studien, unter anderem in Bonn, zwar protestantisch taufen lassen, wurde aber dennoch diskriminiert und zog nach der Juli-Revolution 1830 Jahr 1831 nach Paris, wo er 1856 starb. Von dort aus versuchte er in seinen Artikeln, Gedichten und Büchern, den Franzosen die Deutschen näher zu bringen, und den Deutschen die Franzosen.
Nach der Präsentation mehrerer Stücke des Dichters haben die wissenschaftliche Direktorin des Frankreich-Zentrums an der Universität Bonn (Centre Ernst Robert Curtius – CERC), Dr. Christina Schröer, und unser Vizepräsident Wolfgang Pinner noch darüber diskutiert, was wir denn heute von den Erfahrungen dieses besonderen Menschen (jüdischer Außenseiter in Deutschland, Ausländer in Frankreich, Poet unter Journalisten) heute mitnehmen können [Bild 3]. Sicher, dass einige Klischees über die Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen durchaus älteren Datums sind und schon vor 200 Jahren galten beziehungsweise auch einen Kern Wahrheit beinhalten, aber auch dass diese Unterschiede Neugier, Kreativität wecken und Teile unserer gemeinsamen Kultur sind.
Diese Neujahrsmatinee wurde, nach der Begrüßung der Teilnehmer durch unseren Präsidenten Dr. Detlef Puhl [Bild 4], mit einem Grußwort der neuen Bezirksbürgermeisterin von Bad Godesberg, Frau Feyza Yildiz, eröffnet [Bild 5]. Dabei würdigte Frau Yildiz das Engagement unserer DFG für den Zusammenhalt und das Verständnis in Europa und darüber hinaus. Insbesondere kündigte sie an, dass sie die Initiative unserer DFG gern aufnehmen wolle, die Städtepartnerschaft von Bad Godesberg mit der Stadt St.Cloud wieder zum Leben zu erwecken.
DP
• AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG ROSE VALLAND
– auf der Suche nach enteigneter Kunst –Ein großes Publikum war Zeuge der Einführung der Autorin Christiane Köhne über die französische Résistance-Kämpferin Rose Valland im Gustav-Stresemann-Institut am 22. Januar 2026. Sie deckte den NS-Kunstraub auf und rettete auf diesem Weg 60.OOO Kunstwerke. Unter Lebensgefahr dokumentierte sie im Museum Jeu de Paume in Paris die Aktivitäten der Besatzer und ermöglichte es so, dass die Kunstwerke nach Kriegsende unter schwierigsten Bedingungen nach Frankreich zurückgebracht werden konnten. Vallands Widerstandsarbeit ist als wesentlicher Beitrag zur Kunstgeschichte des XX. Jahrhunderts zu würdigen.
Im Anschluss konnte die Ausstellung besucht werden, die Vallands Einsatz in Bildund Schriftdokumenten festhält. Sie ist noch bis zum 26.04.26 zu besichtigen.
• BERICHT ÜBER EIN ARBEITSFRÜHSTÜCK DER BONNER EUROPA-AKTEURE
Am 20. Januar luden der Leiter des Büros der EU‐Kommission in Bonn, Stefan Lock, und die Leiterin des Institut Français, Claire Demesmay, zu einem „Arbeitsfrühstück der Europa‐Akteure“ ein. Die DFG Bonn‐Rhein/Sieg wurde durch ihren Vorsitzenden Dr.Detlef Puhl vertreten. Dabei ging es vor allem darum, wie die zahlreichen bestehenden Europa‐Formate der Partner in Bonn besser sichtbar, gebündelt und attraktiver präsentiert werden können. Zunächst sprach man über den Europatag 2026, den 9.Mai, der in diesem Jahr auf einen Samstag fällt und der, wie in jedem Jahr, von der Stadt Bonn mit unser aller Beteiligung organisiert wird. Im März werden wir von der Stadt zu einem Planungstreffen eingeladen. In dieser Zeit vielfältiger welt‐ und europapolitischer Herausforderungen wollen alle dazu beitragen, dass wir auch über emotionale Zugänge mit dem Thema „Europa“ Menschen erreichen, die auf die klassischen Appelle nicht reagieren. So wollen wir einerseits das Thema „Europa“ in den Kontext der Abhängigkeit von den USA und der aktuellen Gefährdungen für die Demokratie stellen und dabei die Verunsicherung vor allem junger Menschen aufgreifen. Andererseits wollen wir Ideen zur Verbesserung unserer Kommunikation entwickeln. Es gab viele kreative Ideen und ein deutliches Interesse aller Beteiligten an gemeinsamer Sichtbarkeit und stärkerer Zusammenarbeit. Wir wollen jetzt Ideen sammeln, ein gemeinsames Format für die Kommunikation prüfen, die Nutzung sozialer Medien vorbereiten und möglichst für den 9. Mai ein gemeinsames Manifest entwickeln, das eine „Liebeserklärung an Europa“ sein könnte.

Erste Reihe: Stefan Lock (3. vl) und Claire Demesmay (4. vl), Detlef Puhl (2. vl). Foto: EU
DP