Der InfoBrief 2002-3 steht Ihnen auch als PDF zur Verfügung!

InfoBrief 2002-3



Nr. 2002-3

31. Mai 2002

Sehr geehrte Mitglieder, liebe Freunde, chers amis,

 

bevor die Fortsetzung unseres Programms für das zweite Halbjahr 2002 erreicht, berichten wir heute über die neuesten Entwicklungen in unserer Gesellschaft.

 

Was bisher geschah

 

Am 11. April 2002 hielt unser Vorstandsmitglied Georg Bodin einen sehr bemerkenswerten Vortrag zum Thema „Katharer und Waldenser – Vorläufer der Reformation? Katharer und Waldenser waren der Überzeugung, dass die Gläubigen die Bibel in ihrer jeweiligen Landessprache lesen sollten; die Waldenser setzten sich für das allgemeine Priestertum ein: Beides sind Ideen, die auch Bestandteil der Reformation sind. Abschließend wurde jedoch durch den Referenten festgestellt, dass keine Kontakte zwischen den reformatorischen Bewegungen stattgefunden haben.

 

Am 24. April 2002 berichtete Rechtsanwalt Ulrich Kortmann über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im deutschen und französischen Eherecht, wobei er die meisten Divergenzen im Scheidungs- und Erbrecht aufzeigte.

 

Vom 27. April bis zum 1. Mai 2002 fand unsere Exkursion in die Franche-Comté statt. Bei gemischtem Wetter fuhren wir samstags pünktlich und voll Vorfreude ab. Die erste Station war die von Le Corbusier gebaute Kapelle von Ronchamp. Noahs Arche gleich steht sie auf einem Hügel. Sie bringt den Besucher zunächst in Verlegenheit mit ihrem extrem nackten Innenraum, dessen Symbolik erst nach einiger Zeit Andacht begreiflich wird. In Besançon hatten wir ein einfaches, aber bestens gelegenes Quartier, wo - bis auf die Überflutung eines Badezimmers – alles ruhig verlief. Sonntags stand die Besichtigung der malerisch in einer Doubs-Schleife gebauten Altstadt von Besançon auf dem Programm, einer historisch zusammengewachsenen Stadt, von einer seltenen Einheit, da alle Häuser und Kirchen aus demselben blau-melierten Kalkstein sind. Wahrscheinlich hätten wir ohne Führerin noch mehr gesehen! Nachmittags fuhren wir zu den von Nicolas Ledoux konzipierten und gebauten Salinen von Arc et Senans, und von dort nach Ornans, Courbets Geburtsort. Montags fuhren wir nach Montbéliard. Besichtigung leider im Regen: Das Schloss des Herzogs von Württemberg mit seinen beiden Türmen, der eine aus weißem Kalkstein, der andere aus rotem Sandstein, die Bauten des Architekten Heinrich Schickhardt, darunter die evangelisch-lutherische Kirche, im Stil der italienischen Renaissance gebaut. Nachmittags gelang es uns auf Anhieb, die moderne Sacré-Cœur – Kirche in Audincourt, einem Vorort von Montbéliard zu finden. Die Suche nach dem Schlüssel war etwas komplizierter – und am Ende hatten wir sogar zwei Schlüssel! Eine absolut nüchterne Halle mit dem einzigen Schmuck, den Fenstern von Fernand Léger: Die Passion Christi als Licht und Farbigkeit; und an der Kirche, durch einen schmalen Gang erreichbar, das Baptisterium, eine rundherum fließende Glasmosaik von Bazaine: Fließender Wasser, Wasser des Jordans, das Fließen der Zeit. Von dort fuhren wir nach Belfort, wo wir noch Zeit hatten, um durch die Stadt zu schlendern, den Löwen zu bewundern ….und erst dann in die Festung hereingelassen zu werden, wo uns Kasematten und unterirdische Gänge, Eskarpen und Contreskarpen gezeigt und deren schützende und abwehrende Wirkung erklärt wurden. Am letzten Tag fuhren wir bei Sonnenschein auf kleinen Strassen über verschlafene Dörfer, durch teils liebliche, teils felsige Täler bis zur Abtei Baume-les-Messieurs. Die romanische Abteikirche aus dem zwölften Jahrhundert mit einer hochwertigen Ausstattung aus späterer Zeit, vor allem einem Triptychon aus dem 16. Jahrhundert, ein Geschenk der Stadt Gent in Antwerpen angefertigt begeisterte. Die Abteigebäude, hauptsächlich aus den 16. Jahrhundert, zeugen vom Reichtum der Abtei und gesellschaftlichen Stand der Mönche, der Herren. Wer sich nicht unmittelbar vor dem Hungertod stand, fuhr noch bis zum Cirque de Baume-les - Messieurs und seinem sehr schönen Wasserfall. Nachmittags fuhren wir nach Poligny. Dort besichtigten wir einen Affinage-Keller, wo die 30 kg schweren Comté Käselaiber unter ständiger Kontrolle – waschen, salzen, drehen – heranreifen.

Wer Lust dazu hatte ging durch die malerischen Strassen von Poligny und konnte einige Klöster sowie prachtvolle Adelssitze aus verschiedenen Jahrhunderten bewundern. Der Tag endete mit einer heiteren Weinprobe im Caveau des Jacobins. Wer hatte schon von der Poulsard- oder von der Savagnin-Rebe gehört? Der „vin jaune“ überzeugte die meisten von uns …

Dann kam der Abschied von dieser schönen Gegend und nach einer ruhigen staufreien Fahrt über das Elsass erreichten wir wieder Bonn, etwas müde, aber reicher an Eindrücken und Erfahrungen.

 

Exkursion in die Franche-Comté

 

 

Am 6. Mai 2002 stellten vor mehr als 250 Gästen deutsche und französische Schüler(innen) ihre Arbeiten vor , die sie aus der Beschäftigung mit den Novellen der wohl angesehensten zeitgenössischen französische Novellistin entwickelt hatten: Hörspiele, Fotoromane, Filmszenen und szenische Darstellungen. Annie Saumont zeigte sich zu tiefst berührt. Sie dankte den Schüler(innen) und beglückwünschte sie zu den entstandenen Arbeiten. Abends fesselte Annie Saumont ihre Zuhörer durch die Lesung einiger ihrer Novellen und durch das Gespräch mit dem Publikum. Anschließend lud die DFG die französischen und deutschen Lehrer, die am von unserem Vorstandsmitglied Frau Angelika Schwering geleiteten Projekt teilgenommen hatten, gemeinsam mit Annie Saumont zu einem Imbiss in das Restaurant DACAPO ein. Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung durch die Kreissparkasse Rhein – Sieg.

 

Am 13. Mai 2002 diskutierten Lucas Delattre, ehem. Korrespondent von Le Monde in Bonn, und Joachim Westhoff, Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, über die deutsch – französischen Beziehungen nach den Präsidentenwahlen in Frankreich. Die Moderation auf dem Podium besorgte unser Präsident, Dr. Wolfgang Linckelmann. Die französischen Präsidentenwahlen zeigten eine bisher nicht da gewesene Besonderheit: Der amtierende Präsident Chirac mit ca. 19 % der Stimmen und die beiden Kandidaten der Ultrarechten ( Le Pen und Megret ) mit zusammen ca. 20% der Stimmen aus dem ersten Wahlgang hatten in Frankreich eine Mobilisation der Wählerschaft bewirkt und die gesamte Linke empfahl ihren Wählern den Kandidaten der Rechten (Chirac) aus Gründen der Staatsraison, aber gegen ihre politische Überzeugung im zweiten Wahlgang ihre Stimme zu geben. Im Ergebnis siegte Jacques Chirac überzeugend.

Aber wegen der erheblich größeren Wahlbeteiligung in der Ballottage erhielt der ultrarechte Kandidat Le Pen mit 20 % der Stimmen - absolut gesehen - mehr Stimmen als die beiden ultrarechten Kandidaten zusammen im ersten Wahlgang! - In der Diskussion äußerten die Besucher ihre Befürchtungen hinsichtlich einer „Haiderisierung“ Europas und einem Stillstand in der Entwicklung des gemeinsamen Europa.

 

Am 15. Mai 2002 erschienen 14 Mitglieder zum ersten JOUR FIXE im Oxford-Club, die in zwanglosen Gesprächen einen Ideenaustausch pflegten, sich über die zurückliegenden Veranstaltungen äußerten und sich über das künftige Programm informieren konnten.

 

Am 28. Mai 2002 trug der stellvertretende Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung an der französischen Botschaft in Berlin, Botschaftsrat Philippe Brunel zu den Herausforderungen an die Volkswirtschaften in Deutschland und Frankreich vor sowie zum Stand der wirtschaftlichen Zusammenarbeit . Als Herausforderung nannte er vor allem die Auswirkungen der Globalisierung auf unsere jeweiligen Sozialsysteme, die Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Standortes ( z.B. Umweltnormen und hohe Sozialbeiträge ), den Rückstand in der Informations-technologie, den demographischen Wandel, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Osterweiterung der EU. - Unabhängig von der Tatsache, dass jeder für das andere Land der erste Kunde und der erste Lieferant zu gleich ist, der hohen Investitionsrate französischer Unternehmen in den Neuen Bundesländern und von ca. 1.200 deutscher Industriebeteiligungen in Frankreich, fehlen zur Zeit - abgesehen von einigen Großprojekten – zukunftsweisende Gemeinschaftsvorhaben. Einerseits erscheint das Potential an deutsch – französischer Firmenzusammenarbeit keineswegs ausgeschöpft, anderseits ist z. Zt. angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlenwahlen in Frankreich und Deutschland kein politischer Anstoß hierfür zu erwarten. - Eine lebhafte Diskussion rundete den interessanten Abend ab.

 

 

Was Sie demnächst erwartet

 

Am Freitag, dem 21. Juni 2002 laden wir gemeinschaftlich mit dem Romanischen Seminar der Rheinischen Friedrich – Wilhelms -Universität und des Robert – Schuman – Instituts zu einem Konzert des Deutsch – Französischen Chores anlässlich der Fête de la musique ein. Die Veranstaltung findet im Festsaal der Universität statt und beginnt um 19.30 Uhr. Das Konzert steht unter der Schirmherrschaft des Rektors der Universität, Prof. Dr. Klaus Borchard. Der Eintritt ist kostenfrei.

 

 

Am Freitag, dem 5. Juli 2002 treffen wir uns ab 18.00 Uhr zu unserem Grillabend auf dem Grillplatz der Waldfreunde Bonn, Bonn-Hardtberg. Diesmal wollen wir auch gemeinsam singen. Bitte bringen Sie deshalb ihre bevorzugten Lieder und Kanons mit. - Anfahrt über den Wesselheideweg; Parken bitte nur auf dem ausgewiesenen Parkplatz vor dem Zugang zum Grillplatz. Mit der Buslinie 635 fahren Sie ab Hbf Bonn bis Endhaltestelle „Malteser-Krankenhaus“, dann ca. 8 min Fußweg ( siehe auch Ausschilderung ).

Ihre Anmeldungen beim Generalsekretär und Ihre Überweisung des Kostenbeitrages von € 11,00 pro Person auf das Konto der DFG erbitten wir bis zum 25. Juni 2002.

Wer bei der lukullischen Gestaltung des Abends mithelfen möchte (Salate, Vor- und Nachspeisen) melde sich bitte beim Generalsekretär.

 

 

 

Die nächsten JOUR FIXE sind:

Mittwoch, 19.Juni und 17. Juli 2002 im Oxford – Club jeweils ab 18.00 Uhr

 

Begegnung mit Annie Saumont (links) am 6. Mai 2002

 

 

Avis de recherche – Literarischer Steckbrief

 

Solution de l’avis précédant : Alexandre Dumas.

 

Nom : Donnadieu

Pseudonyme : ???

Sexe : féminin

Pays : France

Dernière adresse connue : Neauphle-le-Château

Parents : instituteurs

Signalement : menue, d’une grande beauté dans sa robe de soie naturelle usée, presque transparente, ses talons hauts en lamé or et son chapeau d’homme aux bords plats, un feutre souple couleur bois de rose au large ruban noir. Plus tard un visage ravagé par l’alcool.

Lieux préférés : les fleuves, les côtes et les grandes maisons solitaires.

Histoire : après des études de droit et Sciences Po, elle travaille au Ministère des Colonies, un domaine qui lui est particulièrement familier. Elle adhère au PC dont elle est exclue pour non-conformisme et tendances anarchiques quelques années plus tard. Elle découvre sa vraie voie : l’écriture, une trentaine de romans et des pièces de théâtre ; à cela s’ajoute une douzaine de films.

Récompenses : Pris Ibsen, Grand Prix du Théâtre de l’Académie Française, Prix Goncourt.

Thèmes principaux : l’envoûtement érotique, le silence et la folie, le monde des victimes.

 

De qui s’agit-il ?

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Sylvie Tyralla – Noel

Wolfgang Linckelmann

 

 

___________________________________

Impressum:

Mit dem Info - Brief unterrichtet der Vorstand die Mitglieder über das Leben in der Gesellschaft. Der Info - Brief erscheint ca. vier Mal jährlich.

Anschrift:

Deutsch-Französische Gesellschaft Bonn und Rhein-Sieg e.V.

Am Gärtchen 31; 53347 Witterschlick;

??0228 9863654 FAX: 0228 9863655

E-Mail: info@deutschfranzoesischegesellschaft-bonnrheinsieg.de

Internet: www.deutschfranzoesischegesellschaft-bonnrheinsieg.de

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Sylvie Tyralla-Noel;

Dr. Wolfgang Linckelmann : E-Mail: wf.linckelmann@t-online.de

Layout: Klausdieter Hübschmann

 

Bankverbindung: Sparkasse Bonn, Kontonummer 6999,

BLZ: 3805000