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Berichte 2015

Voyage à Waterloo 9-10 octobre 2015

Jutta Menzel

Nach unserem Ausflug nach Kaub im April setzten wir vom 9.-10 Oktober unsere Reise auf den Spuren Napoleons fort. War in Kaub, wo Soldaten unter dem Kommando Blüchers im Januar 1814 den Rhein überquerten, um die fliehenden napoleonischen Truppen zu verfolgen, die zentrale Gestalt unseres Besuchs dort eher der „Marschall Vorwärts“ so galt unser Besuch in Waterloo vor allem Napoleon und dem Ende seiner Vorherrschaft in Europa.

Eine Gruppe von 17 historisch interessierten Mitgliedern der Deutsch Französischen Gesellschaft startete um 7.45 per Bus in Richtung Belgien.

Ziemlich pünktlich kamen wir in Waterloo an, wo wir uns im ausgezeichneten und sehr gemütlichen Restaurant L´Amusoir stärkten. Anschließend führte uns uns eine äußerst kompetente und engagierte deutsche Fremdenführerin zunächst in das Wellington Museum. Das Haus, ein ehemaliges Gasthaus, beherbergte Wellington vom 17. bis 18. Juni 1815. Von hier aus schrieb er auch die Siegesnachricht nach England, in der er allerdings die an dem Sieg nicht unerheblich beteiligten Preußen nicht erwähnt! Hatte er sie aber doch in der Bedrängnis der Schlacht so sehnlichst herbei gesehnt: Ich wollte es wäre Nacht und die Preußen kämen. „O perfides Albion“ ist man da versucht auszurufen!

An Hand von Schautafeln zeigte man uns die verschiedenen Standorte der Schlacht, die nach dem Hauptquartier Wellingtons Waterloo benannt wurde, aber eigentlich auf den Feldern etwa 4 km südlich stattgefunden hatte. In Preußen sprach man von der Schlacht von Belle Alliance, was hervorragend zu passen schien für die“edle Allianz,“ die Bonapartes Herrschaft ein Ende setzte. In Wirklichkeit war Belle Alliance 1815 ein Gasthaus, das Napoleon als Quartier diente und wo sich nach dem Sieg Blücher und Wellington trafen. (Den Namen trug das Gasthaus übrigens nach der Liaison seiner Wirtin mit ihrem sehr viel jüngeren Knecht! Wie banal!) Man kann es weiß gestrichen vom Löwenhügel aus in der Ferne liegen sehen. Der Löwenhügel, la butte du lion, war unser nächstes Ziel. Bei herrlichem Sonnenschein kletterten wir beherzt, aber doch keuchend die 226 Stufen zu dem bronzenen Löwen herauf, der den pyramidenförmig aufgeschütteten 41 Meter hohen Hügel krönt.

Die Sicht über die weite Ebene, an diesem sonnigen Tag keineswegs die „ morne plaine“ von Victor Hugo ist überwältigend. Die verschiedenen Schauplätze der Schlacht: Genappe, Plancenoit und Mont Saint Jean zum Beispiel waren gut zu sehen. Wir mussten allerdings viel Phantasie aufbringen, um uns bei strahlendem Herbstwetter vorzustellen, wie die feindlichen Truppen nach dem Regen des Vortages, am 17. Juni 1815, Mühe hatten, auf dem schlammigen Boden Kanonen zu bewegen und selbst nicht im Schlamm stecken zu bleiben. Dies wurde uns dann in dem am Fuße des Löwenhügels gelegenen Mémorial de Waterloo, das rechtzeitig zu der 200 Jahresfeier des Sieges über Bonaparte eröffnet wurde, dreidimensional vor Augen geführt. Eine Viertelstunde lang taucht der Zuschauer ein in das Schlachtgetümmel. Er glaubt von den sich aufbäumenden Pferden überrannt und von den Bajonetten aufgespießt zu werden. Zum Greifen nah erscheinen Napoleon, Wellington und Blücher. Soldaten auf beiden Seiten werden gemetzelt wie Vieh, marschieren wie in einem mörderischen Ballett diszipliniert in den Tod. Ein blutjunger Trommler schlägt die Trommel zum Totengeleit. Einen starken visuellen und auditiven Eindruck hatten wir vorher schon erhalten in der neben dem Löwenhügel gelegenen Rotunde. Dort befindet sich ein riesiges Panoramabild der Schlacht von Waterloo, das 1912 von Louis Dumoulin angefertigt worden war und dessen Wirkung durch akustische Effekte wie Kanonendonner und Pferdegewieher verstärkt wird.

Deutlich beeindruckt fuhren wir dann zu unserem Quartier, dem sehr idyllisch in einem Park gelegenen Ibis Style Hotel in Louvain -la -Neuve. Das moderne und sehr gepflegte Hotel bot uns vor und nach dem Dîner einen Raum zur Diskussion und zur Vorstellung von Literatur zum Thema Napoleon und Waterloo.Wir hatten insgesamt sechs Beiträge, fiktional und nicht fiktional: Die Titel seien hier kurz aufgeführt: Volker Hunecke:Napoleons Rückkehr, Marian Füssel: Waterloo, Stéphane Beemelmans: Histoire du 3ème Régiment de Dragons Dominique Villepin: Les Cent-Jours, Stephen Clarke: How the French won Waterloo or think they did, Stendhal. La Chartreuse de Parme, Heinrich Heine. Die Grenadiere, Jean-Paul Kauffmann .La chambre noire de Longwood.

Die Beiträge deckten ein breites Spektrum ab, führten sie doch von den hundert Tagen der kurzen Wiederaufnahme der Herrschaft Napoleons bis zu seinem einsamen Tod auf St Helena. Die Beiträge waren gut vorbereitet und regten die Zuhörer zur lebhaften Diskussion über die kontroverse Beurteilung des Kaisers der Franzosen an. Um 23 Uhr war nach einem sehr langen erlebnisreichen Tag die verdiente Nachtruhe.

Am Sonntag ging es nach dem ausgezeichneten Frühstück zunächst nach Plancenoit zum Denkmal für die preußischen Truppen unter Blücher. Das neogotische von Schinkel erbaute Denkmal liegt steil oberhalb der Straße inmitten von Bäumen und umgeben von einem Gitter, so dass die Inschrift

nur durch lebensgefährliche Kletterei oder durch Halsverrenken zu lesen ist.

Unser nächster Programmpunkt war dann die riesige, eindrucksvolle Ruine der Zisterzienserabtei von Villers. Die wie alle Zisterzienserklöster in einem Tal gelegene, teils romanische, teils gotische Abtei bildete eine harmonische Einheit mit der sie umgebenden üppigen Vegetation. Unser deutschsprachiger Führer vermittelte uns mit seinen sachkundigen Erklärungen ein anschauliches Bild von dem Leben in dem Kloster. Einen idyllischen Abschluss des Rundgangs fanden wir in dem nach Hildegard von Bingens Ideen angelegten Klostergarten, wo vor noch immer gelb und rosa blühenden Blumen das obligate Gruppenphoto entstand.

Das anschließende Mittagessen in dem Moulin de Villers zeigte alle Mitreisenden bei bester Laune, unterstützt von Wein oder auch von dem im Kloster gebrauten Bier. Entsprechend verfielen die Meisten auf der Rückfahrt im Bus entspannt in ein wohliges Mittagsschläfchen, aus dem sie spätestens bei unser Ankunft in Bonn um viertel vor sechs erwachten.

En somme: Eine sehr gesellige, informative und anregende Reise, die neben der Konfrontation mit den Gräueln des Krieges auf dem Schlachtfeld von Waterloo auch schöne Bilder von der herbstlich gefärbten Wallonie und ihrer Gastfreundschaft in unseren Köpfen hinterlassen wird.

Allen an Organisation und Durchführung Beteiligten einen herzlichen Dank!