Skip to main content

Débat en langue française

Ein Erfahrungsbericht von Julian Stüber

Débat en langue française – als ich den Namen des Debatierwettbewerbs der Deutsch-Französischen Gesellschaft zum ersten mal hörte – es muss im Mai oder Juni vergangenen Jahres gewesen sein – da war mir relativ schnell klar, dass dieser eine viel versprechende Möglichkeit darstellte, meine Französischkenntnisse unter Beweis zu stellen. Überhaupt in welcher Bewerbung würde sich ein Verweis auf eine erfolgreiche Teilnahme an einem Debatierwettbewerb nicht gut machen? Und da war ja auch noch die zu gewinnende Reise nach Paris. Wenn das mal kein Anreiz war! Durch das Werben meiner Französischlehrering Frau Heynen fand sich schnell ein kleines Grüppchen von Interessierten zusammen, um sich einmal die Woche auf den schulinternen Auswahlprozess vorzubereiten.

Zum besseren Verständnis sei hier kurz darauf hingewiesen, dass der Debatierwettbewerb zunächst schulintern stattfand und die Sieger dieses schulinternen Wettbewerbs würden sich dann am 22. Januar zur Finalrunde im Haus der Geschichte in Bonn treffen.

Nach Abschluss der ersten Ausscheidungphasen, hat sich die anfängliche Debatiergruppe leider aufgelöst, da die „unterlegenen“ TeilnehmerInnen das Interesse verloren. Von da an stellte es sich als schwierig heraus die praktische Debatte in den Unterricht einzugliedern. Deshalb habe ich mich in den letzten Wochen vor dem 22. Januar vornehmlich alleine vorbereitet. Glücklicherweise gelang es doch noch einige Male im Rahmen des Französischunterrichts zu debattieren. Denn wenn ich eins gelernt habe durch den Debatierwettbewerb, dann dass nichts die praktische Anwendung der Fremdsprache ersetzten kann. Aus diesem Grund kann ich vollends überzeugt sagen, dass durch den Debatierwettbewerb, die Bereitschaft einfach draufloszureden spürbar gestiegen ist. Im Verlauf der Vorbereitungen habe ich zunehmend festgestellt, wie viel Spaß und Interesse ich daran habe Argumente zu finden, zu schärfen und sie argumentativ darzustellen.

Die Debatten behandelten aktuelle Themen und erwiesen sich darüber hinaus auch für die Abiturvorbereitung nützlich, da sie sich teilweise um Themen der Abiturobligatorik handelte, wie zum Beispiel „Les Relations franco-allemandes“ oder „Immigration et Intégration“; auch von daher war der Debatierwettbewerb, kaum begonnen, durch aus sinnvoll.

Das erste Treffen mit den Erst- und Zweitplazierten der jeweiligen schulinternen Ausscheidungswettbewerbe fand dann am 29./30. November in der Tagungsstätte Haus Schlesien in Heisterbacher Rott statt. Wer sich jetzt fragt, wo das ist, der ist sicherlich nicht alleine. Ich begab mich jedenfalls erst einmal auf eine kleine Irrfahrt durch das Siebengebirge. Endlich angekommen trafen wir zum ersten Mal auf die beiden Organisatoren Herrn Dr. Linckelmann (Präsident DFG) und Herrn Dr. Müller-Solger (Vorstand DFG), die ein wirklich bemerkenswertes Engagement an den Tag legten, und uns locker und ungezwungen auf die Finalrunde vorbereiteten. An dieser Stelle großes Lob und vielen Dank!

Das gemeinsame Wochenende im Haus Schlesien erwies sich als sehr hilfreich in der Vorbereitung auf das große Finale, nicht zuletzt aufgrund der vielen sprachlichen Tipps und Tricks. Konkret haben wir dort uns in Gruppen in verschiedene Themen eingearbeitet und diese anschließend in einer Probedebatte zur Diskussion gestellt.

Der 22. Januar selbst war lockerer als zunächst geglaubt. Zwar stieg die Anspannung deutlich als wir erfuhren, dass etwa 150 Leute im Saal auf uns warteten, als wir dann aber auf der Bühne saßen, wich die Anspannung der Konzentration. Auch das habe ich gelernt: wer überzeugend argumentieren möchte, muss seinem Kontrahenten konzentriert und aufmerksam zuhören können!

Die zwölf Minuten der freien Debatte vergingen dann auch wie im Flug. Das lebendige Hin und Her zwischen Pro und Kontra ließen die Debatte zu einem packenden Schlagabtausch werden, in der jeder sein Bestes gab. Es war auch interessant die zweite Gruppe zu sehen; sozusagen aus der Zuschauerperspektive.

Dass der Saal voll war und die Debatte mit Raunen, Lachen und Applaus begleitet wurde, unterstreicht, denke ich, das große Interesse an öffentlichen Debatten auch unter Jugendlichen (es soll wohl schon Anfrage für eine Fortsetzung des Wettbewerbs geben).

Der Besuch von hochrangigen Gästen, darunter der französische Generalkonsul aus Düsseldorf M. Thibault und Ruth Hieronymi (MdEP) war mehr als nur eine schöne Geste, sondern hat sehr deutlich gezeigt, welch hoher Stellenwert der „Nachwuchsgewinnung“ beigemessen wird.

Der Abend der Preisverleihung fand dann passenderweise unter dem Motto „Doppelte Chancen – Doppelter Erfolg“ statt und das war es wohl auch, was wir neben den Sachpreisen vor allen Dingen gewonnen haben: sprachliche Kompetenz, Soft Skills im Bereich der Kommunikations- und Teamfähigkeit. Denn schließlich haben wir die Debatten in zweier Teams bestritten. Aber auch fern aller „Nutzen“ hat es einfach Spaß gemacht, sich mit einer Gruppe von Gleichgesinnten in einer Fremdsprache zu unterhalten. Ich denke, dass in dieser Hinsicht die gemeinsame Parisreise eine tolle Erfahrung sein wird und noch einmal zeigt, dass Fremdsprachenlernen auch ganz anders sein kann als in der Schule.

Alles in allem kann ich sagen, dass die Teilnahme am Debattierwettbewerb der Deutsch-Französischen Gesellschaft ein voller Erfolg für alle TeilnehmerInnen war und sich zur Nachahmung empfiehlt. Allen potentiellen Nachahmern kann ich nur empfehlen, die anfänglichen Zweifel und Bedenken zu überwinden; die Erfahrung und Lehren eines solchen Debattierwettbewerbs sind wirklich einmalig!

 

 

Pressemitteilung

Dr. Hermann Müller-Solger

22. Januar: Der Deutsch-französische Tag mit Debattierwettbewerb auf Französisch

im Haus der Geschichte

 

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Bonn und Rhein-Sieg hat eine Initiative gestartet, die wegen ihrer Neuartigkeit bereits den Joseph-Rovan-Preis des französischen Botschafters erhalten hat. Die Schulen der Region Bonn und Rhein-Sieg sind eingeladen worden. sich mit den Schülerinnen und Schülern ihrer Französisch-Kurse der Stufen 12 und 13 an einem Debattierwettbewerb in französischer Sprache zu beteiligen.

Das Echo war überraschend gut, wohl auch weil sowohl das Institut Robert Schuman an der Universität Bonn als auch die Stiftung Haus der Geschichte sich dieser Initiative angeschlossen haben sowie interessante Preise locken. Immerhin sieben Gymnasien aus Bonn und der Region haben interne Wettbewerbe durchgeführt und Kandidaten für die Endausscheidung am deutsch-französischen Tag 2009, dem 22. Januar, benannt. Die sieben Erstbenannten der Schulen und eine achte im Rahmen eines Vorbereitungsseminars von der Gesellschaft ermittelte Schülerin werden in zwei Runden zu je vier Teilnehmern am 22. Januar zu ausgewählten Themen im Haus der Geschichte diskutieren.

Die Regeln entsprechen in etwas den Regeln des deutsch-sprachigen Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Je zwei der Teilnehmer einer Runde nehmen im Rahmen eines vorgegebenen Streitthemas die Rolle des Pro und Kontra ein. Alle Teilnehmer erhalten ca. 12 Tage vor dem Finale zwei Streitthemen übersandt, von denen sie eines mit ihrer Rolle als Pro- oder Kontra-Vertreter am Tag des Finales per Los ziehen. Sie haben dann eine gute Stunde Zeit ihre Debattenbeiträge vorzubereiten.

Eine Jury, in der die Direktorin des Robert Schuman Instituts, Frau Dr. Catherine Robert und der französische Generalkonsul in Düsseldorf, Gilles Thibault sowie der Präsident der DFG Bonn und Rhein-Sieg, Dr. Wolfgang Linckelmann mitwirken, wird die Einzelbeiträge bewerten.

Generalkonsul Gilles Thibault wird den deutsch-französischen Tag mit einem Grußwort einleiten bevor der ehemalige Botschafter in Paris Klaus Neubert für die zahlreich geladenen Schüler, Lehrer und Gäste um 9.30 Uhr einen Vortrag halten wird zum Thema:„Deutschland und Frankreich: Motor der EU oder Museumsstück der Gründerjahre?“

Um 11.15 Uhr beginnen die beiden Finalrunden des Debattierwettbewerbs.

Den Teilnehmern am Finalwettbewerb winken nicht nur eine Urkunde und im Fall der drei am besten Bewerteten auch ein Praktikum- oder Projektstipendium für Frankreich, sondern auch eine gemeinsame mehrtägige Reise nach Paris, zum Teil gesponsert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, der Fondation Entente Franco-Allemande, der Fa. Knauber und der Hans Albert Buss Stiftung. Die Sieger dieses Wettbewerbs werden in der Abendveranstaltung im Haus der Geschichte vorgestellt und von Frau Ruth Hieronymi, MdEP gewürdigt. Im Mittelpunkt dieser gemeinsam von der Deutsch-Französischen Gesellschaft, dem Institut Robert Schuman und dem Haus der Geschichte getragenen Abendveranstaltung steht eine Podiumsdiskussion um 18.30 Uhr zum Thema „Doppelte Kompetenz – doppelter Erfolg“ mit deutschen und französischen Vertretern aus verschiedenen Berufszweigen.

An verschiedenen Informationsständen informieren den Tag über Experten über Studien- und Austauschmöglichkeiten mit Frankreich.

 

Bericht über mein Praktikum in Paris

von Hannah Muranko

Am 22.01.2009 habe ich am Debattierwettbewerb auf französischer Sprache, Concours de Débat, veranstaltet von der Deutsch-Französischen-Gesellschaft Bonn-Rhein-Sieg, teilgenommen.

Nachdem die Teilnehmer bei einem Wochenendseminar in die Regeln des Debattierens eingewiesen worden waren, stand nun am 22.01. der Wettbewerb an. Wir zogen unser Thema per Los zu welchem kontrovers diskutiert werden sollte. Nun hatten wir eine Stunde Zeit uns in das Thema einzulesen und uns vorzubereiten.

Zwei Debatten, zum einen über das Thema der Rolle des Internets in Deutsch-Französischen Beziehungen, zum anderen über die Schwierigkeiten der positive Diskriminierung. Bei der Siegerehrung überreichte man mir, für mich überraschend, den zweiten Preis, welcher, wie ebenso der erste und dritte Preis mit einem Preisgeld über 500 Euro, sowie der Chance zu einem Praktikum in Frankreich, dotiert war. Nach Rücksprache mit Herrn Linckelmann, er bot mir sehr verschiedene Bereiche an indem ich das Praktikum absolvieren könnte, entschied ich mich für ein Praktikum im wirtschaftlichen Bereich.

Die Firma SADE, bei der ich nun die drei Wochen verbringen durfte, ist eine international ausgerichtete Firma und gehört der Gruppe Veolia Environnement an. SADE wurde 1918 gegründet und ist in Frankreich als auch weltweit eine der führenden Firmen in der Konzeption und Konstruktion von Wassernetzwerken, für Abwasserreinigung, Trinkwasser, Bewässerung, Kanalisationsarbeiten für Städte und Industrie, sowie im Ingenieur- und Bauingenieurwesen, als auch im Bereich der „trockenen“ Netzwerke, wie Gas, Elektrizität, Telefon- und Videokommunikation. SADE ist durch regionale Niederlassungen vor Ort vertreten. Ich habe mein Praktikum im August 2009 im Hauptsitz der Firma in Paris, wo rund 250 Angestellte arbeiten, in der Personalabteilung absolviert. Weltweit zählt SADE bis zu 5000 Beschäftigte.

Ich wurde sehr freundlich und offen empfangen, habe mich im Gespräch mit den Mitarbeitern über die Firma, ihr System und die Abläufe in einem solch großen Unternehmen informieren können.

Natürlich ließen mich meine Französischkenntnisse immer mal wieder an Grenzen stoßen, die aber meist durch eine langsame Wiederholung oder Erklärung meist schnell überwunden werden konnten.

Da mein Französisch nicht für größere Aufgaben reicht und ich ja auch nicht in dieser Richtung ausgebildet bin, überließen sie mir Aufgaben zur Einordnung, Abheftung, Speicherung oder Überprüfung von Daten und Angaben. Es hat richtig Spaß gemacht, zwar nur für eine relativ kurze Zeit, aber dennoch integriert zu sein.

Meine Unterkunft für diese Zeit war das Heinrich Heine Haus in der Cité Universitaire. Die Cité Universitaire ist eine große parkähnliche Anlage, in der Studierende und Forschende für die Zeit ihrer Recherchen in den verschiedenen internationalen Häusern leben und arbeiten können. Das Maison Heinrich Heine ist die deutsche Stiftung und Anlaufstelle für interessierte Deutsche in Paris.

Dort habe ich mit deutschen, aber auch internationalen jungen Leuten zusammen gewohnt. Wir hatten viel Spaß zusammen, es war immer eine bunte Mischung, und dennoch hatten wir eine Gemeinsamkeit, das Fabel für Frankreich, Französisch und vor allem Paris. Insgesamt war es eine prägende Erfahrung nicht nur „zu Besuch“ oder als Tourist nach Frankreich, bzw. Paris zu kommen, sondern genau, wie jeder andere Pariser auch, morgens mit der überfüllten Metro zu fahren, Mittags mit dem „Ticket Restaurant“ ein schnelles aber sehr schmackhaftes Mittagessen auf dem Boulevard Haussmann zu nehmen, sich Nachmittags auf den Feierabend zu freuen, wieder in die volle Metro zu steigen und in den Abendstunden noch ein wenig das Pariser savoir-vivre entdecken zu können. Hiermit möchte ich mich noch einmal für das Engagement der Deutsch-Französischen-Gesellschaft Bonn-Rhein-Sieg bedanken, die den Preisträgern großzügig die Chance für ein Praktikum in Frankreich ermöglicht hat.

ARTE – Fernsehen im interkulturellen Dialog *

Dr. Klaus Wenger

Da ich mich freue, wieder einmal in meiner Heimatstadt Bonn zu sein, lassen Sie mich mit einem Zitat aus den Jahren beginnen, in denen hier am Rhein europäische Visionen entwickelt und die europäische Einigungspolitik maßgeblich mitgestaltet wurde. Es lautet:

« Wenn es nicht binnen kurzem gelingt, die Bewegung für Europa neu aufzubauen, wird die bereitwillige Stimmung vergehen oder sich in Verbitterung verkehren und anderen Idealen zuwenden ». Diese Warnung ist also kein Kommentar zu dem gescheiterten Verfassungsreferendum oder dem Tauziehen um die Ratifizierung des Vertragswerks von Lissabon – nein sie stammt aus einer Zeit, da weder der deutsch-französische Freundschaftsvertrag noch die Römischen Verträge den Weg in ein geeintes Europa vorgezeichnet und mitgestaltet haben. Ich habe sie in einem Memorandum gefunden, das Walter Hallstein, später erster Präsident der Europäischen Kommission in Brüssel, als Staatssekretär im Auswärtigen Amt bereits am 30. März 1955 Bundeskanzler Konrad Adenauer zukommen ließ. Über 50 Jahre später zeichnet sich eine erschreckend niedrige Beteiligung an den bevorstehenden Europawahlen ab. Diese Gleichgültigkeit, aber auch die Suche nach einem Ausweg aus der Verfassungsdebatte und der damit verbundenen institutionellen Blockade unterstreichen eines sehr deutlich: Wir werden die europäische Einigung nicht weiter voranbringen, wenn es nicht gelingt, den Diskurs über Europa wieder positiv zu besetzen und eine europäische Öffentlichkeit herzustellen, aus der sich dann nach und nach ein ‚espace public européen’ entwickelt.

Machen wir uns nichts vor: das gescheiterte Verfassungsreferendum war kein Betriebsunfall auf dem Weg nach Europa, sondern – so ist zu befürchten – der Beginn einer Kehrtwende. Denn der durch den Fall des Eisernen Vorhangs beflügelte Euro-Enthusiasmus ist in den vergangenen Jahren und Monaten einer bitteren Erkenntnis gewichen: Europa ist kein Thema mehr, das die Menschen begeistert, sondern wird – ob zu Recht oder zu Unrecht – als Prügelknabe für die mit der Globalisierung einhergehenden Probleme gesehen. Und zu Beginn des Europa-Wahlkampfs ist derzeit sogar ungewiss, ob wenigstens der Lissabon-Vertrag von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert wird und somit die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union verbessert und durch eine Stärkung des Europäischen Parlaments auch deutliche Fortschritte in Richtung Demokratisierung erwartet werden können. Finanz- und Wirtschaftskrise tun ihr Übriges, in der europäischen Zusammenarbeit weniger eine Chance für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft als vielmehr eine Bedrohung für die jeweiligen nationalen Wirtschafts- und Sozialordnungen zu sehen. Der tschechische Präsident Vaclav Klaus steht mit seiner euro-pessimistischen Haltung keineswegs allein da, er gibt lediglich einem weitverbreiteten Unbehagen mit irritierender Stimme Ausdruck. In Westeuropa tragen Delokalisierung und Sozialdumping zum Verlust von Arbeitsplätzen und zur Wiederbelebung antieuropäischer Ressentiments bei, in Mittel- und Osteuropa wenden sich immer mehr Menschen und politisch Verantwortliche von Europa ab und suchen ihr Heil in nationalstaatlichen Reformkonzepten und Wegen, weil Ihnen der Postkommunismus nicht den Weg ins Nirwana eines europäischen Wohlfahrtsstaats geöffnet hat.

Europa steht nicht mehr für ein friedliches Miteinander und die Überwindung nationalstaatlicher, konfessioneller oder sozio-ökomischer Konflikte, sondern weckt immer stärker Ängste und Sorgen. Immer häufiger werden die Folgen und Ängste der Globalisierung auf Europa projiziert, woran die nationalen Politiker allerdings fleißig mitgearbeitet haben. Nach dem Desaster des Zweiten Weltkriegs stand Europa in den westeuropäischen Staaten für den Aufbruch in eine friedliche, demokratische, freiheitliche und sozial gerechte Gesellschaftsordnung, der sich auch die osteuropäischen Staaten nach dem Fall der Mauer anschließen wollten. Heute aber wird von vielen die Verlagerung der politischen Entscheidungsebene nach Brüssel als Bedrohung eben dieser Ordnung angesehen. Es kommt - teilweise durchaus politisch gefördert – zu einer Wiederbelebung, wenn nicht gar Rehabilitierung des Nationalstaats als vermeintlichen Garanten für die Lösung sozialpolitischer Probleme.

Die durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöste Beunruhigung lässt bei vielen Menschen ein übersteigertes Bedürfnis nach Sicherheit erwachsen. Einer Sicherheit, die Europa noch nicht, der Nationalstaat aber nicht mehr bieten kann. Man wird aber die Menschen nur dann für Europa gewinnen können, wenn es gelingt, auch die Ängste und Hoffnungen in den politischen Diskurs zu integrieren, wie der verstorbene polnische Außenminister Bronislaw Geremek mahnte: „Wir müssen begreifen, dass wir den Kampf um die Bürger verlieren, wenn wir sie emotional nicht erreichen und keinen Weg finden, sie in den politischen Prozess einzubinden“.

Dieser Herausforderung und Aufgabe müssen sich die politisch Verantwortlichen auf der nationalen wie der europäischen Ebene stellen. Insofern stehen wir mit Blick auf den Lissabonner Vertrag und die Europawahlen vor einer europapolitischen Weichenstellung: Die weitere Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft hängt auch davon ab, ob das Europäische Parlament willens und in der Lage ist, sich den Zukunftsfragen unserer Gesellschaft zu stellen und über eine überzeugende Definition seiner Identität und seines Handlungsspielraums auch die Identifizierung seiner Wähler mit Europa zu erzwingen. „Man braucht mit der Parlamentarisierung der europäischen Institutionen nicht zu warten, bis eine europäische Öffentlichkeit entstanden ist. Man kann die Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit auch durch Parlamentarisierung der europäischen Institutionen fördern, hervorbringen und erzwingen. Jeder Schritt, der das Europäische Parlament stärkt und seine Arbeit sichtbarer und auch die Tätigkeit der Kommission transparenter macht, wird – vermutlich – zur Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit beitragen. So sehr wie europäische transnationale Politik wenigstens Element einer transnationalen Öffentlichkeit voraussetzt, so sehr wirken sie umgekehrt darauf ein. Der Aufbau einer europäischen Öffentlichkeit und der Abbau des europäischen Demokratiedefizits gehören zusammen.“(Jürgen Kocka)

Damit ist auch der entscheidende Wendepunkt benannt: Die Weiterentwicklung der Europäischen Gemeinschaft kann nicht mehr allein über Staatsverträge und institutionelle Kooperationen vorangetrieben werden. Es bedarf vielmehr auch einer breiten Verständigung der Bürger über die Grundlagen, Zielsetzungen und die Ausgestaltung einer solchen Gemeinschaft. Diese Debatte aber wird gegenwärtig allenfalls zögerlich und weitgehend ohne Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Brüssel, Straßburg oder in den nationalen Parlamenten geführt. Auch die Medien widmen europäischen Themen auffallend wenig Raum; eine Selbstverständigung der europäischen Bürger, also der Citoyens, bleibt auf den überschaubaren Rahmen von Kolloquien, auflagenschwachen Zeitschriften oder Gesprächsrunden nach Mitternacht beschränkt. Der ‚espace public européen’ setzt sich derzeit also bestenfalls aus kleinen Teil-Öffentlichkeiten zusammen. Damit sind wir aber auch noch Meilen entfernt von einer ‚citoyenneté européenne’ als einer Voraussetzung für politisches Engagement in einem demokratisch verfassten Gestaltungsraum Europa, der über die Grenzen der nationalstaatlichen Demokratien hinausragt und diese – im Idealfall – aufhebt. Der ‚citoyen de l’Europe’ – der dem Göttinger Historiker Rudolf von Thadden vorschwebt – ist der seiner unterschiedlichen nationalkulturellen Herkunft bewusste, für andere Kulturen und Gesellschaftsformen offene Bürger – im Sinne des französischen Citoyen–, der an einem die nationalen Grenzen übergreifenden öffentlichen Diskurs teilnimmt. Dessen Kernthema wiederum ist die Ausgestaltung Europas zu einem gemeinsamen demokratischen und soziokulturellen Lebensraum.

‚Citoyenneté und identité européennes’ setzen Bürger voraus, die sich ihrer unterschiedlichen geographischen, nationalen und sozialen Herkunft und Verankerung bewusst sind, sich aber nicht von anderen abgrenzen, sondern sich diesen bewusst öffnen. La „reconnaisssance de l’altérité“ – die Respektierung des Andersseins – ist die Grundlage einer Dialogbereitschaft und Dialogfähigkeit, auf denen der öffentliche Diskurs im Rahmen eines „espace public européen“ beruht. Diese sind zugleich auch eine persönliche und kollektive Bereicherung, wie der deutsche Soziologe Ulrich Beck feststellt: „Ceux qui intègrent le point de vue de l’autre à leur perspective existentielle apprennent plus de choses sur eux-mêmes et sur les autres ». Die individuellen und kollektiven Voraussetzungen und Grundlagen hierfür müssen frühzeitig gelegt werden - spätestens jedoch in der Schule. Dann können auch die Medien ihren Beitrag dazu leisten, den interkulturellen Dialog zu führen und zu fördern.

Denn unbestreitbar kommt den Medien eine tragende Rolle bei der Herausbildung einer Europäischen Öffentlichkeit zu. Dabei stehen wir jedoch vor dem Paradox, dass eine solche Öffentlichkeit ohne die Medien nicht vorstellbar ist, die Medien in Europa jedoch national, beziehungsweise lokal strukturiert sind. Die Printpresse ist schon auf Grund der Sprachenvielfalt bestenfalls in der Lage, die Berichterstattung über europäische Themen zu intensivieren, sie kann aber eine transnationale Debatte nicht organisieren oder gar führen. Ähnliches gilt für den Hörfunk - und mit Einschränkungen auch für das Internet. In diesem allerdings lassen sich in jüngster Zeit interessante Ansätze zu einem die Sprachgrenzen überschreitenden transnationalen Dialog beobachten: Die Internetplattform „cafebabel.com“ versteht sich als ein „magazine de l’Europe“, als ein europäisches Informationsmagazin, das politische Themen gerade nicht nur unter dem nationalen Blickwinkel beobachten will. Die dazu gehörende Blogosphäre (Babelblog) steht jedermann offen, so dass sich hier eine völlig neue Form des interkulturellen, transnationalen Dialogs entwickeln könnte. Ich komme hierauf in Zusammenhang mit den Online-Aktivitäten von ARTE noch einmal zurück.

Kommen wir also zu dem Medium, an das mit Blick auf die Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit die größten Erwartungen geknüpft sind: Das Fernsehen. Dieses wird trotz der durch die Digitalisierung der Verbreitungswege beschleunigten Sender- und Programmvielfalt - und der damit verbundenen Zersplitterung der Publika - noch lange eines der wichtigsten Massenmedien und Kommunikationsmittel bleiben. Und es ist - neben dem Kino - das Medium, dessen Kommunikationsprozesse sich auf der kognitiven und der emotionalen Ebene abspielen. Damit stellt sich denn auch die Frage, wie sich Europa in diesem – in erster Linie bildorientierten - Medium kommunizieren lässt.

Können Fernsehbilder dazu beitragen, den europäischen Dialog zu fördern; mit welchen Themen und Formaten lässt er sich inhaltlich gestalten, wie prägen diese die Konturen einer europäischen Öffentlichkeit ? Mit diesen Fragen ist ein Sender wie ARTE, aus dessen Erfahrung ich jetzt sprechen möchte, in der täglichen Arbeit konfrontiert. Er lebt vom interkulturellen Dialog und ist damit auch Versuchslabor zur Erlernung und Erprobung europäischer Öffentlichkeit.

Doch dürfen die Erwartungen an das Fernsehen nicht überzogen werden: Zwar bringen die neuen Technologien den Zuschauern mehr Freiheit in der Wahl ihrer Programme. Zugleich bedeutet die damit einhergehende Banalisierung und Fragmentarisierung des Programmangebots aber auch einen Rückschritt, mit dem ein Stück Demokratiekultur verloren geht. Das Programmangebot öffnet immer seltener ein Fenster zur Welt und lädt immer häufiger in die lokale oder mentale Nische ein. Respekt und Fairness vor der Leistung des Andersdenkenden wird uns im Leitmedium Fernsehen immer seltener abverlangt werden, wie der Münchner Kulturphilosoph Julian Nida-Rümelin konstatiert. Ein zweiter, ebenfalls zur Nachdenklichkeit mahnender Aspekt ist die geringe Akzeptanz europaweit verbreiteter Programme – wie etwa Euronews. Sie zeigt auch die Schranken auf, die einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Fernsehen gesetzt sind.

Fernsehen als audiovisuelles Massen- und Freizeitmedium wird auch in Zukunft in erster Linie nationalkulturell verankert sein - dies gilt für die audiovisuelle Kreativität und Produktion wie für die Rezeption. Ein europäisches Fernsehen, das diese Grundvoraussetzung ignoriert, wird scheitern, weil es seinen Zuschauern keine Identifizierungsmöglichkeiten mit den angebotenen Inhalten bietet. Deshalb müssen die Stoffe und Themen so aufbereitet werden, dass sie auch von Menschen unterschiedlicher national- oder soziokultureller Verankerung verstanden und emotional nachempfunden werden können. Die vielen gescheiterten wie die wenigen gelungenen Versuche europäischer Koproduktionen bei Krimiserien oder Fernsehspielen zeigen jedoch, wie schwer es ist, entsprechende Dramaturgien und Erzählformen zu finden. Auch deshalb bietet ein binationales Fernsehprogramm wie ARTE ein einmaliges Lehr- und Lernfeld für eine Bild- und Fernsehsprache, die in einen audiovisuellen europäischen Dialog einmünden kann, und die sich nicht mehr an den Konsumenten im Fernsehzuschauer wendet, sondern an den ‚citoyen’.

ARTE steht im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit wie im europäischen Einigungsprozess einzigartig da: als ein gemeinsames Fernsehprogramm, das nicht allein auf beide Länder beschränkt ist, sondern laut Gründungsvertrag „das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa fördern“ soll. Ein Kulturprogramm also mit politischem Auftrag und Anspruch. Dieser auf den ersten Blick unversöhnliche Widerspruch, löst sich bei näherem Hinsehen – und in der täglichen Programmpraxis – in ein Kreativität und Produktivität stimulierendes Spannungsverhältnis auf.

Auch hat dieser von zwei staatlichen Autoritäten formulierte kulturpolitische Auftrag ARTE bisher vor allen politisch oder kommerziell motivierten Anfeindungen geschützt. Und die öffentliche Finanzierung aus der Rundfunkgebühr erlaubt es, ohne Blick auf „shareholder-value“ die kreativen Kräfte in Europa an ein Medium zu binden, dessen Inhalte immer mehr zur reinen Unterhaltungsware zu pervertieren drohen. ARTE soll und will dazu beitragen, dass der interkulturelle Dialog sich auch in den elektronischen Medien entfalten kann und nicht im Mainstream der Privatsender untergeht und Europa so zwischen Globalisierung und Kommerzialisierung seine audio-visuelle Phantasie und Ausdruckskraft zu verlieren droht.

Ein binationaler Fernsehsender sieht sich im Unterschied zu allen nationalen Rundfunkanstalten mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: Zum einen sind schon die Programmmacher selbst von unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmustern geprägt, zum anderen müssen bei der konkreten Programmarbeit auch die unterschiedlichen Vorstellungswelten – also das Imaginaire – der Publika in beiden Ländern berücksichtigt werden. Denn dieses europäisch konzipierte Fernsehprogramm nährt sich aus den unterschiedlichen Erfahrungs- und Bilderwelten. Es wendet sich an Zuschauer, deren Rezeptionsmuster und Verständniswelten wiederum unterschiedlich geprägt sind. Während der Journalist oder Regisseur im nationalen Fernsehen davon ausgehen kann, dass seine Texte und Bilder vom Zuschauer ohne größere Anstrengungen verstanden und eingeordnet werden können, muss der Autor oder Regisseur bei ARTE berücksichtigen, dass große Teile seines Publikums in einem anderen Verstehens¬horizont leben. Gerade diese unterschiedlichen kulturellen Kontexte bilden wiederum den Ansatzpunkt für einen interkulturellen Dialog in diesem Medium.

Dass und wie dies möglich ist, möchte ich Ihnen an Hand meiner eigenen Erfahrung aus nunmehr fast 20 Jahren Programmarbeit mit und für ARTE darlegen. Dazu werde ich einen Blick werfen auf die Aufarbeitung nationalkultureller Unterschiede und Einflüsse im Fernsehen, das ja wie kein anderes Medium in erster Linie national verankert ist. Denn trotz aller berechtigten Kritik an der Verflachung und Verdummung vieler Programme bietet das Massenmedium Fernsehen auch große Chancen und Herausforderungen, weil es Millionen Menschen über soziokulturelle Schranken und nationale Grenzen hinweg erreichen kann. Und so werde ich mit dem Blick auf ARTE nicht nur in unserem deutsch-französischen Kulturbiotop verweilen, sondern die Perspektive auch auf Europa ausweiten. Kein anderes Medium erreicht so viele Menschen in Europa, kein anderes hat so vielfältige Möglichkeiten, sich an Herz und Hirn der Einzelnen zu richten. Denn mit der ihm eigenen Verbindung bildlicher und sprachlicher Elemente lassen sich die Zuschauer zugleich emotional und rational erreichen. Darin liegen sowohl seine Schwäche als auch seine Stärke. Die Schwächen und die damit zusammenhängenden Gefahren habe ich hier kurz angedeutet, von seinen Stärken und den sich damit öffnenden Chancen für einen europäischen Dialog soll nunmehr ausführlich die Rede sein. Und damit komme ich zurück zu ARTE und seiner täglichen Gratwanderung zwischen mehreren Kulturen und den damit verbundenen unterschiedlichen Bilderwelten.

ARTE befindet sich also in einem Spannungsfeld, das von jeweils unterschiedlichen Medienstrukturen, kulturellen und soziopolitischen Fragestellungen, Bildsprachen und Fernsehästhetiken, aber auch Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten geprägt ist. Doch bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich kurz auf einige Besonderheiten eingehen, die ARTE von einem nationalen Rundfunksender unterscheiden. Management bei einem bi-national strukturierten europäischen Kulturprogramm bedeutet : zum einen, den betriebsinternen Dialog zwischen den Mitarbeitern unterschiedlicher kultureller Horizonte und beruflicher Erfahrungen zu gewährleisten ; zum anderen, diese in die Lage zu versetzen, auch den Dialog zwischen den Autoren, Produzenten und Regisseuren auf der einen und den Publika auf der anderen Seite zu befördern. Diese Aufgabe ist schon für ein zentral organisiertes und gesteuertes Unternehmen eine gewaltige Herausforderung, bei einem dezentral strukturierten Unternehmen wie ARTE erfordert es gelegentlich die Quadratur des Kreises. Denn in der Struktur von ARTE spiegeln sich französischer Zentralismus und deutscher Föderalismus in einer für Außenstehende auch heute noch schwer zu durchschauenden Organisationsform wider:

So ist ARTE G.E.I.E. in Straßburg nur ein Unternehmensteil dessen, was wir heute die ARTE-Gruppe nennen: sie ist de facto die Sendezentrale und damit zuständig für die Programmphilosophie, die Programmstrategie, die Sendeplanung und die institutionelle Kommunikation. Produziert aber werden die Programme durch die beiden nationalen Mitglieder ARTE France und ARTE Deutschland. Während der französische Partner wie alle nationalen Medienunternehmen in und aus Paris operiert, sind in Deutschland neben dem ZDF die neun Landesrundfunkanstalten der ARD an der Produktion der Programme beteiligt. Sie können sich unschwer vorstellen, welcher Koordinierungs-aufwand und Abstimmungsbedarf zwischen Paris, Straßburg, Baden-Baden, Berlin, Hamburg, Leipzig oder München besteht.

Doch kommen wir nun zum Programm selber und damit zu den sich darin manifestierenden kulturellen Unterschieden. Dabei beginne ich mit dem schwierigsten und sensibelsten Feld, den Nachrichten und damit der journalistischen Arbeit des Senders. Gerade die Auffassung von der gesellschaftlichen Verantwortung und damit das Selbstverständnis journalistischer Arbeit sind diesseits und jenseits des Rheins auch von der politischen Geschichte beider Länder beeinflusst.

In Deutschland ist die journalistische Berichterstattung stark von den Erfahrungen des Nationalsozialismus und der anglo-amerikanischen Tradition geprägt. Nachrichten sollen die Wirklichkeit glaubwürdig abbilden, die Berichterstattung soll objektiv und neutral sein. Deshalb sind die Studiodekorationen eher neutral-nüchtern gehalten, die Nachrichtensprecher nehmen sich als Person stark zurück. Die französische Tradition geht davon aus, dass der Journalist Bestandteil des Systems ist, was zu einer stärkeren Personalisierung in der Nachrichtenpräsentation bei einer geringer ausgeprägten kritischen Distanz führt. ARTE muss diese nun in seinen Sendungen zusammenführen – mit Journalisten, die teilweise sehr unterschiedliche Auffassungen von ihrer beruflichen Rolle und Verantwortung haben. In diesem von unterschiedlichen Sensibilitäten, Arbeitsweisen und Kenntnissen geprägtem Spannungsfeld liegt nicht nur der spezifische Reiz der journalistischen Arbeit bei ARTE, sondern auch ein deutlich anderer Blick auf die nationalen und internationalen Ereignisse und Entwicklungen.

Dies gilt insbesondere für das schwierige und sensible Feld der Nachrichten. Die tägliche Nachrichtensendung ARTE-info muss die national unterschiedlichen Nachrichtenlagen und Erfahrungshorizonte in seinen beiden Sendegebiete berücksichtigen. Dies zwingt täglich zu einer anderen Themenhierarchie und damit zu einem ungewohnten, weil ent-nationalisierten Blick auf die jeweilige Tagesaktualität. So bietet sie dem Zuschauer einen der nationalen Perspektive entrückten Blick auf das jeweilige Tagesgeschehen und bringt ihn dazu, seinen eigenen nationalen Standpunkt zu relativieren. Sicher kann mit einer solchen Herangehensweise weder mit den aktuellen Nachrichtenkanälen noch mit den großen nationalen Nachrichtensendungen konkurrieren, aber einem weniger an Aktualität und Sensationen interessierten Zuschauer wird ein Perspektivenwechsel geboten, der langfristig zu einer Öffnung für Themen- und Fragestellungen führt, die jenseits der eigenen Kirchturmperspektive relevant sind.

Damit sind eigentlich gute Voraussetzungen dafür geschaffen, die Menschen auch für spezifisch europäische Themen und Ereignisse zu interessieren. Diese wiederum werden in dem wöchentlichen Magazin „Zoom Europa“ aufgegriffen, das in einer engen Kooperation zwischen den Europa-Redaktionen von ARD und ZDF auf der einen und ARTE France auf der anderen Seite produziert wird. Seine Aufgabe sieht dieses Magazin darin, Hintergründe und Konsequenzen politischer Entscheidungen zu analysieren und auf die alltägliche Ebene hinunterzubrechen sowie die sozio-ökonomischen Zustände und Entwicklungen in ihren unterschiedlichen nationalen Ausprägungen anschaulich und nachvollziehbar aufzuzeigen. Mit der gleichen Zielsetzung bietet ARTE jeden Dienstag einen zweistündigen Themenabend an, in dem semi-aktuelle politische oder gesellschaftspolitische Fragestellungen und Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven aufgegriffen, analysiert und kontrovers diskutiert werden.

Ein solcher Themenabend etwa bietet dann zum NATO-Gipfel statt der ewig gleichen Tafel-Bilder einen Rückblick auf die Entwicklung dieses im Kalten Krieg geborenen Verteidigungsbündnisses und eine Analyse der Herausforderungen und Aufgaben, der sich die NATO in den kommenden Jahren stellen muss – und dies nicht nur aus einer deutsch-französischen Perspektive, sondern auch unter Einbeziehung der teilweise anders gelagerten Interessen der neuen, osteuropäischen Nato-Mitglieder. Und so wollen wir uns in den kommenden Wochen im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament nicht nur mit den damit verbundenen innenpolitischen Debatten in Frankreich und Deutschland beschäftigen, sondern gerade die Europäer jenseits unserer Grenzen mit ihren Erfahrungen und Erwartungen ausführlich zu Wort kommen lassen.

Und doch fällt es auch ARTE besonders schwer, die Arbeit der europäischen Institutionen und deren Auswirkungen auf den Lebensalltag der BürgerInnen Europas in Bilder zu fassen und – im doppelten Wortsinn – „anschaulich“ zu vermitteln. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass es nur wenige mit europäischen Themen und Ereignissen identifizierbare Gesichter gibt, dass sich also gerade die europäische Politik der für das Medium Fernsehen ausschlaggebenden Visualisierung durch Personalisierung entzieht. Die Personalisierung der europäischen Politik geschieht im Fernsehen immer noch stärker über die jeweils in Straßburg, Brüssel oder einem anderen europäischen Konferenzort aus ihren Limousinen steigenden nationalen Repräsentanten als über die Mitglieder der Europäischen Kommission oder des Europäischen Parlaments - und so gelingt es auch nicht, den Fernsehzuschauern über Personen eine Identifizierung mit Europa zu ermöglichen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mitarbeiter der EU-Kommission in Brüssel einen schwerverständlichen und kaum in Bilder übersetzbaren „Soziolekt“ aus Kürzeln und Fachbegriffen sprechen, der Außenstehende eher abschreckt und mit dazu beiträgt, dass europäische Themen so wenig attraktiv sind.

Gerade deshalb bemüht sich ARTE, europäische Themen und Geschichten auch in anderen Formaten zu behandeln. Im Gegensatz zu den Nachrichtensendungen gilt für dokumentarische und fiktionale Formate, dass sie dem Zuschauer auch einen emotionalen Zugang zu der aufgegriffenen Thematik ermöglichen - sei es über Personen, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, sei es, indem man ihn in seinem Alltag „abholt“.

Dokumentationen und Dokumentarfilme beispielsweise bieten Foren der Beobachtung und Begegnung mit Menschen unterschiedlicher Horizonte und Lebensformen und zwingen den Zuschauer, sich mit den fundamentalen Fragen unserer Zeit aus ungewohnten Blickwinkeln auseinander zusetzen. Auch so entsteht zumindest in Ansätzen ein virtueller interkultureller Dialog. So beschreibt der Dokumentarfilm „Verliebt sein in Belfast“ das tägliche Leben zweier durch die Friedensmauern getrennter junger Frauen in Belfast; „Klosterleben“ beobachtet, wie sich junge Mädchen aus der französischen Provinz in einem Pariser Wohnheim auf die ‚concours’ für die französischen Eliteschulen vorbereiten; „Milchbar“ begleitet zwei Frauen, die in Wroclasw allen Globalisierungstendenzen zum Trotz eine kleine Milchbar weiterführen. „Chancen für Migrantenkinder“ wirft einen ebenso kritischen wie optimistisch stimmenden Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen der Integration und damit auf eine der Schlüsselfragen für die Entwicklung unserer europäischen Gesellschaft(en).

Großes Gewicht legt ARTE seit seiner Gründung auf die Produktion und Ausstrahlung von historischen Dokumentationen – nicht nur in den „mercredis de l’histoire“. Wir haben durchaus den Ehrgeiz, mit unseren Programmen zum Aufbau eines audio-visuellen Gedächtnisses und zur Aufarbeitung und Verbreitung der unterschiedlichen historischen Identitäten in Europa beizutragen. Dies begann mit der Sendung „Histoire parallèle“, der ersten vergleichenden Darstellung des Zweiten Weltkriegs aus unterschiedlichen nationalen Blickwinkeln und setzt sich fort in einer engen Zusammenarbeit mit Historikern und Dokumentarfilmern aus fast allen europäischen Ländern. Dabei wird ein besonderer Akzent auf die Aufarbeitung historischer Traumata und Tabus gelegt, denn nur ein Europa, das sich seiner unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Traditionen bewusst ist, kann eine tragfähige gemeinsame Zukunft gestalten. Deswegen werden wir in den kommenden Monaten den zwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer weniger zu innerdeutschen Retrospektiven nutzen, sondern vielmehr einen Blick auf die Ereignisse und Entwicklungen jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs werfen, um so den westeuropäisch geprägten Blick auf die jüngere Geschichte unseres Kontinents zu korrigieren.

Nicht zu unterschätzen ist der Beitrag von fiktionalen Formaten zu einem Dialog, der auch das „Imaginaire“, die Bilderwelten, mit einbezieht. Denn gerade die Mischung aus unterhaltenden, erzählerischen und emotionalen Momenten erlaubt es, Themen und Fragestellungen aufzugreifen, die sich dem journalistischen Zugriff weitgehend verschließen. Der emotionale Zugang und die an individuellen Schicksalen orientierten Geschichten erlauben es dem Zuschauer, sich auf Fremdes und Ungewohntes einzulassen. So schildern in dem Kurzfilmprojekt „Grenzgänger“ Filmemacher aus 5 europäischen Ländern die Schwierigkeit, in einem (anderen) Land der europäischen Union Fuß zu fassen und sich heimisch zu fühlen, und suchen zugleich nach Antworten auf die Frage nach den Bausteinen einer europäischen Identität. Der Kinofilm „One day in Europe“ zeigt mit hinreißender Situationskomik, wie sich die Vielfalt der europäischen Kulturen in einem babylonischen Sprachgewirr ausdrückt, und sich aus diesem multilingualen Chaos neue Formen der Verständigung entwickeln.

„Wut in den Städten“ war eine eindringliche Auseinandersetzung mit den Ursachen der Vorstadtkrawalle in Frankreich im Jahre 2005 und hat nach der Ausstrahlung zu einer intensiven Diskussion im Internetforum von ARTE geführt, die mehrere Wochen andauerte. Ähnliches gilt für den Fernsehfilm „La journée de la jupe“, der nicht nur wegen des Fernseh-Debüts von Isabelle Adjani in beiden Ländern ein „Quotenhit“ war, sondern auch deshalb, weil er in dramaturgisch und schauspielerisch überwältigender Form die Arbeitsbedingungen der Schulen und die emotionale Belastung der Lehrer in den sogenannten Problemzonen unserer Gesellschaft thematisierte. „Die Flucht“ hat nicht nur in Frankreich die menschliche Dimension von Flucht und Vertreibung nach 1945 nahe gebracht, sondern auch zu einem besseren Verständnis für dieses – nicht nur in Deutschland – emotional belastete Thema geführt. Es ließen sich noch viele Filmtitel aufführen, um zu zeigen, wie gerade über die emotionale Ansprache auch Neugier und Offenheit für Themen und Geschehnisse geweckt werden können, die nicht im jeweils nationalkulturellen Erfahrungshorizont liegen, aber Elemente eines europäischen Geschichtsbewusstsein darstellen – nicht zuletzt die bewegende filmische Aufbereitung der Lebensgeschichte von Marcel Reich-Ranicki zwischen zwei Nationen und Kulturen.

Lassen Sie mich noch einige Anmerkungen zu dem zukunftsorientierten Kommunikationsmedium machen, das auch für ARTE eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Man mag über die soziokulturellen Implikationen und Konsequenzen der stetig steigenden Internet-Nutzung geteilter Meinung sein, vor einem kann man nicht die Augen verschließen: gerade die jungen Menschen wenden sich in großer Zahl vom klassischen Medium Fernsehen ab und dem Internet zu; wollen wir dies auch in Zukunft noch erreichen und in den Dialog einbinden, wird sich gerade ein Sender wie ARTE diesem Medium und seinen spezifischen Ausdrucksformen nicht verweigern können. Das bedeutet gerade für ARTE, nicht nur eine möglichst große Zahl von Programmen auch im Internet zum Download bereit zu halten, sondern spezifisch online-gerechte europäisch orientierte Inhalte anzubieten.

Gerade das Internet ist eine Dialog-Plattform, in der der Nutzer eben nicht passiv – wie beim klassischen Fernsehprogramm – angesprochen wird, sonder in das er sich aktiv einschalten, sich daran beteiligen und damit in den Dialog eintreten kann. Dies bedeutet für ARTE, sein Internet-Angebot zu einer europäisch orientierten Kreativ- und Dialog-Plattform auszubauen. Erste Ansätze hierzu können Sie selbst auf der Internet-Seite arte-tv ansehen. Insbesondere zur Europa-Wahl im Juni wird ARTE ein spezifisches Informations- und Dialogangebot machen – unter aktiver Einbeziehung junger europäischer Internet- User, die ihre eigenen Blogs zu europäischen Fragen auf ARTE einstellen können. Als weiterer Schritt ist ein europäisches Informationsportal ins Auge gefasst, das voraussichtlich in enger Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung erarbeitet und betrieben wird. Und einmalig in Europa wird eine Kreativ-Plattform sein, die es gerade jungen Menschen erlauben wird, sich mit eigens für das Internet produzierten filmischen Beiträgen auszudrücken und mit anderen Internet-Kreativen in Europa auszutauschen. Diese Plattform wollen und werden wir in enger Zusammenarbeit mit Filmhochschulen, Kunstakademien etc. in mehreren europäischen Ländern aufbauen und betreiben.

Auch wenn die deutsch-französische Zusammenarbeit immer noch das – nicht nur finanzielle – Rückgrat des Senders darstellt, verharrt ARTE weder in einem binationalen Fernsehbiotop, noch ist sein Blick auf Europa von einem deutsch-französischem Strabismus geprägt. Über 40 Prozent des Programms stammt von Autoren, Regisseuren oder Produzenten anderer europäischer Länder. Hinzu kommen vertraglich festgelegte Partnerschaften mit vielen europäischen Rundfunkanstalten: ORF, RTBF, SRG, BBC, YLE, TVP, TVE und seit einigen Wochen auch dem griechischen Fernsehen ERT.

Selbst wenn der Sendeanteil dieser Partner mit etwa 5 % am Gesamtprogramm von ARTE quantitativ eher bescheiden bleibt, fällt er mit Blick auf die Förderung der audiovisuellen Kreativität in Europa besonders ins Gewicht. Denn für viele Partner bietet die Zusammenarbeit mit ARTE auch eine Chance für die Produktion von thematisch schwierigen oder experimentellen Programmen. Hier entsteht ein Freiraum für eine audiovisuelle Kreativität, die ihre Kraft aus der jeweiligen kulturellen Verankerung schöpft und zugleich einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in Europa zu leisten vermag. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl besonders junger Autoren, Regisseure und Produzenten in Europa, die über die Arbeit mit und für ARTE zur Zusammenarbeit gefunden haben. So bilden sich im Umfeld von ARTE Werkstätten einer neuen, interkulturellen audiovisuellen Kreativität, die auch der jeweiligen nationalen Programmproduktion neue Impulse verleihen können. Insbesondere die seit fünf Jahren gepflegte Partnerschaft mit der ursprünglich deutsch-französischen, inzwischen europäischen Masterclass der Filmakademie Ludwigsburg und der französischen Filmhochschule FEMIS ist ein erfolgreiches und die audiovisuelle Sprache bereicherndes europäisches Fernsehatelier. Durch die enge Zusammenarbeit mit Autoren, Regisseuren und Produzenten aus fast allen Ländern der europäischen Union wird so zunehmend ein Netzwerk für ein europäisches Qualitätsfernsehen geknüpft. Dieses trägt dazu bei, in den Programmen die unterschiedlichen Identitäten zu wahren, zu zeigen, in Kontrast zu setzen und Europa in all seinen Facetten zu beleuchten.

Während in den nationalen Fernsehprogrammen nämlich der jeweils nationale (deutsche oder französische) Blick auf Ereignisse oder Entwicklungen in anderen Ländern überwiegt – der Zuschauer also einen durch die Brille des Auslands¬korrespondenten gefilterten Eindruck erhält -, bevorzugt ARTE den sogenannten authen¬tischen Blick: Autoren, Regisseure, Produzenten aus anderen Ländern sollen mit ihren eigenen Worten und Bildern ihre jeweiligen Lebensverhältnisse beleuchten oder ihre Geschichten erzählen. So öffnet ARTE seinen Zuschauern neue Perspektiven der Wahrnehmung und versetzt sie in die Lage, nicht nur die Lebensverhältnisse in anderen Ländern, sondern auch sich selbst mit anderen Augen zu sehen.

Lassen Sie mich nun zum Schluss auch einen selbstkritischen Blick auf unsere Arbeit werfen. Denn wie jeder Fernsehsender, befindet sich auch ARTE in einem Spannungsverhältnis zwischen Qualität und Quote. In einem aber unterscheiden wir uns von vielen anderen Sendern: für uns ist die Einschaltquote nicht Obsession, sondern Ambition. Denn letztlich können auch wir unseren kultur- und europapolitischen Programmauftrag nur erfüllen, wenn wir auch möglichst viele Menschen mit unseren Programmen erreichen – und nur so lässt sich auch die Finanzierung über die Rundfunkgebühr in Deutschland und Frankreich rechtfertigen. Deswegen registriere ich auch mit Genugtuung, dass in Deutschland ARTE zu den wenigen Sendern zählt, die bei wachsendem Programmumfeld an Akzeptanz gewinnen, während in Frankreich mit der neuen Konkurrenzlage auch eine gewisse Erosion der Zuschauerschaft zu beobachten ist. Vergessen wir aber nicht, dass sich der Programmauftrag von ARTE nicht auf seine beiden Vertragsländer beschränkt und deshalb auch sein Erfolg nicht nur an den Einschaltquoten in diesen gemessen werden darf. Via Kabel und Satellit ist ARTE in ganz Europa zu empfangen und wird im Schnitt wöchentlich von 20 Millionen Menschen gesehen. Kein anderer grenzüberschreitender Fernsehsender kann eine solche europaweite Akzeptanz aufweisen.

Dennoch bleibt nüchtern festzuhalten, dass sich ein europäisches Publikum nicht „programmieren“ lässt. Gerade das Medium Fernsehen ist – auch und gerade dort, wo es die kulturellen Lebensformen widerspiegelt – Ausdruck und Abbild national-kultureller Gegebenheiten, auf deren Veränderung es nur sehr begrenzt Einfluss nehmen kann. Wer also über Fernsehen eine europäische Öffentlichkeit erreichen und zur Förderung europäischen Bewusstseins beitragen will, sollte die nationalkulturelle Substanz dieses Mediums akzeptieren. Aus dieser Substanz lassen sich die Themen und Erzählformen entwickeln und im stetigen Perspektivenwechsel so in Beziehung zueinander setzen, dass hieraus eine Form des interkulturellen Dialogs entsteht.

Wenn sich also Woche für Woche fast 20 Millionen Menschen unter mehreren Dutzend Fernsehkanälen für ein Programm entscheiden, das sich aus der kulturellen Vielfalt Europas speist und die bewegenden gesellschaftspolitischen Fragen aufgreift, ist damit ein Grundstein für eine europäische Öffentlichkeit gelegt. Einer Öffentlichkeit, die vom Bewusstsein geprägt ist, bei aller nationalen Unterschiedlichkeit einem gemeinsamen geopolitischen und sozio¬kulturellen Lebensraum anzugehören. Damit leistet auch das Medium Fernsehen einen quantitativ vielleicht noch bescheidenen, qualitativ aber nicht zu unterschätzenden Beitrag zu einem Europa, das sich seiner kulturellen Identität über seine Mythen, Bilder und Geschichten bewusst wird.

Oder – um dem Präsidenten der Europäischen Filmakademie und Grandseigneur des europäischen Kinos, Wim Wenders das Schlusswort zu geben: „Es wird keine europäische Identität geben, kein verbindendes Element, solange es uns nicht gelingt, unsere eigenen Mythen, unsere Gefühle, unsere Geschichten in Bilder zu setzen und diese zu sehen.“

 

* Die Veröffentlichung des Vortrages ist urheberrechtlich geschützt

 

 

Gelungene Offenbachiade (16. 5.)

Mit Esprit und Humor spielte das Ensemble L' Opéra Frivole die Opéra -- bouffe - féerie "Le Voyage dans la Lune" (nach Jules Vernes) zur Musik von Jacques Offenbach im Theatersaal des Bonner Augustinum. Die Liberettisten Van Loo, Leterrier und Mortier vermischten darin in phantastischer Weise technischen Fortschritt mit klassisch-romantischen Märchenelementen.

Das 1998 gegründete Ensemble aus Grenoble entfaltete darin einen derart faszinierenden Spielwitz, dass man förmlich an ihren Lippen hing sowohl bei den lebendigen Gesangsvorträgen als auch bei den Dialogen. Das Ganze inszinierte Regiesseur Alexandre Aymard und erzielte eine intelligente und kreative Aufführung. Er ließ es sich sogar nicht nehmen, einige Worte zum näheren Verständnis der illustren Handlung in Deutsch an das hiesige Publikum gewandt einzuflechten. Die Mischung aus Chants, Vaudevilles und dazu auch aktuellen Chansons sorgte zusätzlich für eine komische Note in der gelungenen Darbietung. Besonderes Lob gebührte Nicole Thebault für ihre farbenprächtigen Kostüme etwa die silbern glänzende Kleidung der Mondwesen inklusive einem Kopfschmuck mit Fühler. Und erstaunlich fix wechselte das Ensemble die Kostüme für die jeweiligen Gruppenauftritte. Requisiten setzte die musikalische und künstlerische Leiterin Suzy Echevin ökonomisch ein, beispielsweise einen Halbmond unter dem Bühnenhimmel und eine schmucke Mondkapsel, deren Innenseite Pinup-Girls schmückten, um den Bedürfnissen der männlichen Besatzung gerecht zu werden. Annne-Marie Borella am Klavier ersetzte vorzüglich das fehlende Orchester. Die Sänger-Schauspieler der Truppe überzeugten nachhaltig durch ihr lebendiges und komödiantisches Spiel.

Insgesamt war es eine beispielhafte, glänzende Aufführung, und der Deutsch-Französischen Gesellschaft sowie dem Wohnstift Augustinum seien gedankt für die Verpflichtung dieses exquisiten, jungen Ensembles!

rl

Auf den Wegen in die Zukunft

Schüler und Schülerinnen aus der Umgebung Bonn besuchen die 11. Europäische Studienmesse und Stellenbörse in Straßburg

Sieben Uhr morgens am Fernbahnhof Bonn: 100 Schüler und Schülerinnen aus der Umgebung von Bonn reisten in zwei Bussen für zwei Tage nach Straßburg, um dort den Europarat, das Europa-Parlament sowie die 11. Europäische Studienmesse zu besuchen. Organisiert wurde diese Fahrt von der Deutsch-Französischen Gesellschaft mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Deutsch-Französischen Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e.V.

Gegen Mittag erreichten wir Straßburg und kurz danach begann unsere Stadtführung: Der Fluss Ill fließt durch Straßburg und durch „Le petit France“, wie die Altstadt von Straßburg genannt wird. Geprägt von alten Fachwerkhäusern ist sie eine der Sehenswürdigkeiten.

Eine weitere Hauptattraktion ist das Münster. Eine Kirche, welche auf dem „Place de la Cathétrale“ steht und nach dem Stil der Notre Dame in Paris angefertigt wurde. Es wird vermutet, dass der zweite Turm des Münsters aus ballistischen Gründen nicht gebaut wurde. An den Außenwänden der Kirche befinden sich aus Stein gemeißelte Störche, denn die Straßburger sind die einzigen Franzosen, die daran glaubten, dass der Storch die Kinder bringt. Die restlichen Einwohner Frankreichs dachten, dass das Mädchen aus der Rose entsteht und der Junge aus einem Kohlkopf.

In der Kirche befindet sich ein von Hand angefertigtes Rednerpult, in das ein kleiner Hund eingemeißelt ist, welcher für den Tag an dem man ihn streichelt Glück bringt. Der Legende nach gehörte der Hund einem Priester. Während der Predigten seines Herren soll der Hund durch die Kirchenbänke gelaufen sein, um darüber zu wachen, dass die Menschen zuhörten und nicht einschliefen. Am Ende jeder Predigt bellte er.

Nach der Stadtbesichtigung fuhr Bus A zum Europarat - Conseil de l’Europe - und Bus B zum Europa-Parlament.

Die Konstruktion des Gebäudes des Europa-Parlamentes wurde von einem französischen Architektenteam entworfen, welche einen ausgeschriebenen Wettbewerb für die Gestaltung des Gebäudes gewannen. Einige Symbole springen dabei direkt ins Auge:

Der Innenhof ist oval gestaltet und soll an Marktplätze im römischen Reich erinnern. Dort wurden Versammlungen der Bürger abgehalten. Es wurde diskutiert und des Öfteren auch abgestimmt. Somit ist der Innenhof des Europa-Parlaments ein Zeichen für die Demokratie. Die Bürogebäude um den Innenhof sind nicht „fertig“ gebaut, um zu symbolisieren, dass das Europa-Parlament nie vollendet sein wird und immer neue Mitglieder beitreten können. Es ist wie Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt hat: „Es muss immer an der Freiheit gearbeitet werden, weil sie nicht von alleine kommt. Freiheit bleibt immer zerbrechlich.“

Ein weiteres Symbol ist die Doppelhelix – zwei Treppen, die sich nicht berühren- welche sich am Ehreneingang befinden. Dieser Treppenstil wurde aus einem französischen Schloss übernommen. Allerdings konnten die Leute damals nicht erkennen, wer hoch oder runter ging. Um dies zu vermeiden, wurden die Treppengeländer im Europa-Parlament aus Glas gebaut. Diese Transparenz zeigt auch Gemeinschaft und Beisammensein der einzelnen EU-Länder.

Im Plenumsaal werden 23 Amtssprachen von 27 EU-Ländern gesprochen; Deutschland wird durch 99 Abgeordnete vertreten.

In den Kabinen sitzen jeweils drei Simultandolmetscher, welche blitzschnell übersetzen müssen, weil es 506 Übersetzungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Sprachen gibt. Der untere Teil des Plenumsaals umfasst ca. 860 Sitze, wo die Abgeordneten sich nach Interessensrichtung in Blöcken zusammensetzen. Der obere Teil, welcher ausschließlich für Zuhörer geöffnet ist umfasst ca. 640 Sitze. Drei Wochen lang tagen die EU-Abgeordneten in Brüssel und eine Woche in Straßburg, wobei die Wochen immer von Dienstag bis Donnerstag gehen, damit die einzelnen Abgeordneten zurück in ihr Heimatland reisen können.

Nach diesem eindrucksvollen Einblick in das Europa-Parlament, wo über die Zukunft Europas mit entschieden wird, ging es für uns zum Abendessen in das Gasthaus „Le Gruber“, wo wir mit typischen Landesspeisen wie Flammkuchen und creme brulee versorgt wurden.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Palais de Congrès, wo die 11. Europäische Stellenbörse und Studienmesse stattfand. Themen waren unter anderem: „Personalbedarf von Unternehmen – Karrierechancen für deutsch-französische Hochschulabsolventen“ sowie „Studium im Ausland – Fördereinrichtungen, Stipendien, Austauschprogramme". Dadurch konnten wir uns ein Bild machen, welche Möglichkeiten wir in Zukunft haben. An den einzelnen Ständen konnten wir Gespräche führen und Informationsbroschüren mitnehmen. Ebenfalls angeboten wurden Workshops, Vorträge und Konferenzen.

Nach diesem Ausflug begann für uns die Heimatfahrt nach Bonn und es war das Ende einer bemerkenswert guten, zwei Tagestour nach Straßburg.

 

 

 

90 Schülerinnen und Schüler aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis besuchen das Deutsch-Französische Forum in Straßburg

Am Freitag, dem 12. November morgens um 7:00 Uhr machten sich 90 Oberstufenschülerinnen und - Schüler und acht Lehrerinnen und Lehrer auf zur 11. Europäischen Studienmesse in Straßburg. Zusammengeführt hatte Sie ihr Interesse an der französischen Sprache und an Frankreich, aber auch der Wunsch, vielleicht ein Praktikum in Frankreich zu absolvieren oder einen Deutsch-Französischen Studiengang zu beginnen.

Die Deutsch-Französische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e.V. hatte, wie schon in den vergangenen Jahren, den jungen Leuten diesen Besuch in Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk ermöglicht.

Neben dem Besuch der Studienmesse am Samstag standen auch eine Stadtbesichtigung und der Besuch des Europarates und des Europaparlaments auf dem Programm.

Bei einem gemeinsamen Abendessen im Stadtzentrum von Straßburg konnten die jungen Leute elsässische Spezialitäten probieren, sich untereinander kennen lernen und sich über ihre Zukunftspläne austauschen.

Der Hauptaspekt lag aber auf dem Besuch des Deutsch-Französischen Forums, der ihnen auf sehr interessante Weise Einblick in verschiedene Möglichleiten gab, international ausgebildet zu werden und international zu arbeiten. Sie konnten sich auch über Möglichkeiten der finanziellen Förderung z. B. durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) informieren.

Universitäten, Firmen, deutsche und französische Fernsehsender, Fluggesellschaften, die französische Armee, die deutsche und die französische Botschaft und viele andere mehr stellten an ihren Ständen binationale und europäische Studiengänge und Berufe vor.

In verschiedenen Hörsälen wurden Vorträge angeboten. Besonders interessant für die Teilnehmer war es, dass fast alle Informationsstände mit Studenten besetzt waren, die von ihren Erfahrungen berichteten, die sie zur Zeit in ihren Bachelor- oder Masterstudiengängen machen. Dadurch waren die Informationen konkret und authentisch. Fragen wurden beantwortet und jeder konnte sich reichlich mit Informationsmaterial versorgen. So mancher war erstaunt ob der Vielfalt der Möglichkeiten. Am Nachmittag stiegen alle Teilnehmer um viele Eindrücke und Anregungen reicher wieder in den Bus nach Hause.

Auch im nächsten Jahr wird die Deutsch-Französische Gesellschaft wieder diese Möglichkeit anbieten, die Interessierte sich jetzt schon vormerken sollten.

Niederkassel, den 15.11.09

Gisela Fechner (Städt. Anno-Gymnasium Siegburg)

Besuch des Deutsch-Französischen Forums der 11. Europäischen Studienmesse und Stellenbörse am 12. und 13. November 2009 in Straßburg

Eva Herkendell

Am Donnerstag Morgen um 7 Uhr machten wir uns mit 2 Reisebussen, 92 Schülerinnen und Schülern und 8 Begleitern aus dem Köln-/Bonner-Raum auf den Weg nach Straßburg.

Nach einer etwa 6-stündigen Fahrt kamen wir in Straßburg am Place d'Etoile an. Von dort aus ging es dann in kleinen Gruppen in die Innenstadt, um Straßburg zunächst auf eigene Faust zu erkunden. Hierbei stießen wir auf erste Verständigungsprobleme, als beim Bestellen eines Crêpes nach dem ersten Wort gefragt wurde; "Sind Sie deutsch?". Wir ließen uns jedoch nicht demotivieren und kämpften uns in den folgenden 24 Stunden tapfer auf Französisch durch.

Später wurden wir durch die Cathédrale von Straßburg geführt , in der sich im Innern unter anderem die weltberühmte astronomische Uhr befindet. Außerdem erhielten wir einen Einblick in die Stadtgeschichte; von der Gründung über das Mittelalter bis hin zur heutigen Zeit. Dazu gingen wir in das sogenannte "Französische Viertel", die eigentliche Straßburger Altstadt, wo wir uns die wunderschönen Fachwerkhäuser anschauten. Nach einem weiteren Fußmarsch erreichten wir wieder die Reisebusse. Mit leichter Verspätung trafen wir am Europaparlament bzw dem Europarat ein, wo wir eine Führung erhielten.

Nach einigen Einblicken in eines der wichtigsten europäischen Organe fuhren wir dann endlich zur Jugendherberge, in der wir freundlich begrüßt wurden und die Zimmer bezogen. Allerdings blieb uns zum Beziehen der Zimmer nur etwa eine Stunde Zeit, weil wir zum gemeinsamen Abendessen typischer Spezialitäten wieder in der Stadt sein sollten. Der Abend fand in der Bar der Jugendherberge einen gemütlichen Ausklang. Nach einer kurzen Nacht frühstückten wir alle zusammen in der Jugendherberge. Als die Zimmer geräumt und Lunchpakete in Empfang genommen worden waren, fuhren wir zu unserem eigentlichen Ziel der Reise; der 11. Europäischen Studienmesse in Wacken. Dort hatten wir reichlich Zeit uns über deutsch-französische und internationale Studiengänge zu informieren. Zu unserer Überraschung wurde überwiegend Deutsch gesprochen und auch unsere Versuche der französischen Konversation misslangen erstaunlicherweise kaum. Zusätzlich zu den zahlreichen Messeständen konnte man auch an Vorträgen zu verschiedenen Themengebieten teilnehmen. Um einige Informationen, schöne Erfahrungen und Logo-Kugelschreiber reicher, stiegen wir nachmittags in den Bus um die Rückreise anzutreten.